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Grundlagen von Wirtschaft und Geld

9 Juni 2015
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Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die Entwicklungen in Europa bringen mich heute dazu, einige Grundlagen des Wirtschaftens und des Geldes aus meiner Sicht etwas näher zu erläutern.  Unser heutiges Finanzsystem hat jegliche Bodenhaftung und Zuverlässigkeit längst verloren. Es ist an der Zeit umzudenken oder sagen wir vielleicht besser, wir alle sollten genauer hinschauen und einige Zusammenhänge kritischer hinterfragen.

Ich erhebe hierbei nicht den Anspruch, dass meine Sicht der Dinge die Richtige ist. Auch möchte ich Sie bei Ihrer eigenen Meinungsbildung nicht beeinflussen. Vielleicht schaffe ich es aber, Sie zum Nachdenken anzuregen.

Grundsätze einer realen Marktwirtschaft
Grundidee einer Marktwirtschaft ist der Tausch von echten Gütern und Dienstleistungen gegeneinander. Ganz einfach ausgedrückt heißt das; der Bäcker backt Brot und tauscht es beim Schuster gegen ein Paar Schuhe ein. Um diesen Tausch zu vereinfachen, bedient er sich seit Einführung des Geldes eben genau an diesem als Zahlungsmittel zur Vereinfachung dieses wirtschaftlichen Prozesses. Er tauscht also sein Brot gegen Geld, um anschließend die Schuhe wiederum mit Geld bezahlen zu können. Ein vollkommen normaler und einfacher Vorgang.
Bemerkenswert ist allerdings die eigentlich notwendige Reihenfolge: Zuerst muss der Bäcker das Brot backen, um es dann unter Zuhilfenahme von Geld gegen Schuhe zu tauschen.

Betrachten wir jetzt auf der anderen Seite mal einen Geldfälscher, den wir Herrn Geldnote (oder Herrn Draghi) nennen. Er produziert weder eine echte Ware noch bietet er eine Dienstleistung an, die realwirtschaftlich einen echten Nutzen bringt. Geld besitzt nämlich keinen echten Wert, sondern ist lediglich gesetzlich eingeführtes Zahlungsmittel! Diese Eigenschaft ist vielen Menschen gar nicht so bewusst. Aber das ist ein anderes Thema.

Zurück also zu unserem Herrn Geldnote, unserem Geldfälscher; Er druckt einfach nur eine Geldnote, die er dann beispielsweise bei einem Bäcker gegen Brot eintauscht. Er kann somit frei konsumieren, ohne wirklich dafür zu produzieren. Sein Geldschein bzw. Scheingeld (beachten Sie bitte an dieser Stelle die Genauigkeit der deutschen Sprache) ist also auf der andere Seite nicht gedeckt durch echte Güter oder Dienstleistungen. Er leistet somit also keinen Beitrag zum Wohlstand der Gesellschaft. Stattdessen konsumiert er aber den von anderen geschaffenen Wohlstand ohne eine eigene, realwirtschaftlich sinnvolle Gegenleistung zu erbringen!
Einen Geldfälscher würden wir in einer ziviliserten Volkswirtschaft deshalb normalerweise als Kriminellen betrachten.

Die Rolle der Notenbanken und Zentralbanken:
Kann dieser einfache Zusammenhang nun außer Kraft gesetzt werden, wenn es sich bei dem Geldfälscher nicht um eine einzelne Person, sondern um eine staatliche Institution Namens Zentral- oder Notenbank handelt? Macht es hier einen Unterschied, ob die Banknote im Keller einer einzelnen Person entstanden ist oder in einer staatlich kontrollierten Druckerpresse? Meine Antwort lautet: Nein! Nicht wirklich. Nennen wir das Anwerfen der staatlichen Druckerpresse einfach nur die hohe Kunst des Zentralbankwesens. Der Effekt auf die Realwirtschaft ist in beiden Fällen nämlich der Gleiche. Nur denkt hierüber offensichtlich Niemand mehr nach in unserer Gesellschaft.

Fakt ist:
Durch das seit Jahren von Noten- und Zentralbanken praktizierte künstliche Aufblähen der Weltgeldmenge, geschaffen in einem virtuellen Geldsystem ohne jegliche Bodenhaftung, kommt es spürbar zu einer drastischen Umverteilung des Wohlstands. Dieser Prozess ist seit Ausbruch der Finanzkrise bereits in vollem Gange! Unproduktive Wirtschaftssubjekte treten plötzlich als Nachfrager am Markt für Güter auf, die sie eigentlich gar nicht bezahlen könnten, da sie selbst ja gar nichts Reales produziert haben. Die Gesamtmenge der vorhandenen realen Güter ändert sich durch das Drucken von Geld aber natürlich nicht.
Nur die Nachfrage nach diesen Gütern nimmt bei gleichem oder geringerem Angebot zu, was zu einer wichtigen Veränderung führt: Die Preise steigen zwangsläufig und dabei spielt es keine Rolle, welche Güter das sind. Konsumgüter des täglichen Lebens, Immobilien oder Aktien. Völlig egal!

Also sind die Notenbanken in Wahrheit doch die eigentlichen Inflationsmacher und nicht die Inflationsbekämpfer, für die sie sich in der Öffentlichkeit gerne verkaufen?

Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben, meine Ausführungen zu lesen.

Ihr Marco Berardi